Wir kennen es noch alle: Schaut man zur klassischen Pendlerzeit in die Nobelstraße, so kann man Kolonnen an Autos sehen, die sich träge nach bzw. aus Rostock bewegen. Morgens stehen die PKW de facto vom Südring bis zur Autobahnabfahrt. Zugegeben: Aktuell müssen wir all uns Kräfte bündeln, um der Corona-Epidemie Einhalt zu gebieten (#Stayathome) – Aber irgendwann werden wir uns hoffentlich wieder der Entwicklung unserer Stadt zuwenden können.

Fakt ist, dass sich mit der bald erfolgenden Sanierung der Eisenbahnbrücke an der Goetheschule die Verkehrssituation im Rostocker Süden drastisch verschärfen wird. Falls ihr noch nicht im Bilde seid: Die Brücke wird zwischen 2021 und 2024 komplett erneuert. Währenddessen wird der PKW-Verkehr maximal einspurig und das Rostocker Verkehrsamt plant im Kern als Maßnahmen großräumige Umleitungen mit entsprechenden Beschilderungen. Im Endeffekt sollen die Hamburger Straße und die Hundertmännerbrücke den Verkehr schultern. Ob dies klappt, wage ich angesichts deren Auslastungen zu bezweifeln. Dies sagte ich auch der NNN, die vor kurzem einen Artikel zu dem Thema schrieb.

Auch wenn dieser Ausblick desaströs wirkt, bietet sich hier auch eine Chance. Mit einer vernünftigen Planung zur Steuerung des Verkehrs könnten Strukturen geschaffen werden, die auch nach den Umbaumaßnahmen die Pendlerströme nachhaltig reduzieren: Ich bin der Meinung, dass die P&R-Strukturen an den Stadträndern sehr schnell deutlich ausgebaut und mit attraktiven ÖPNV-Angeboten kombiniert werden müssen. Daher habe ich im Februar 2020 eine kleine Anfrage an die Stadtverwaltung geschickt – Ihr findet die im kommunalen Bürgerinformationssystem unter der Nummer 2020/AM/0775 in der Textrecherche. Eine direkte Verlinkung ist an dieser Stelle leider nicht möglich.

Die Ergebnisse lassen aufmerken: Von 6 bis 7 Uhr sind die am Südblick abfahrenden Straßenbahnen gerademal zu 12% ausgelastet. Zwischen 6 und 9 Uhr nutzen durchschnittlich 60 Personen die Linien. In der gleichen Zeit fahren 1550 PKW über die Nobelstraße nach Rostock. Der P&R-Parkplatz ist zu nur 56% ausgelastet.

Was uns die Zahlen sagen: Die überwältigende Mehrheit der Pendler fährt mit dem PKW bis zum Arbeitsort. Schon jetzt nehmen sie Stau und rote Ampeln in Kauf. Die geplanten Baumaßnahmen werden deren Zeiten auf den Rostocker Straßen deutlich ausweiten. Wenn nun zumindest ein Teil der knapp 1.600 PKW am südlichen Stadtrand aufgefangen würde, wäre uns allen sehr geholfen. Dies kann der aktuelle Parkplatz natürlich nur bedingt leisten und er ist aktuell noch zu unattraktiv.

Fakt ist: Es muss eine grundsätzliche Lösung gefunden werden. Nur mit dem Ausbau der Parkstrukturen und einer Schaffung von ÖPNV-Anreizen ist dies möglich. Natürlich kann ein P&R-System nicht alle PKWs aufnehmen und nicht für jeden Pendler ist ein solches attraktiv: Wenn beispielsweise die Kinder vorher noch in die Kita gebracht werden müssen, ist das Auto unabdingbar. ABER: Es muss uns gelingen, einen Teil der Pendlerströme an dem Stadtrand aufzufangen und Alternativen anzubieten. Generelle Autoverbote sind keine Option, da so die Leute nicht mitgenommen werden.

Die Stadtverwaltung plant eine Erweiterung des R&R-Parkplatzes um 300 Stellplätze. Aktuell sind es etwa 160. Sicherlich ein guter erster Schritt, der möglichst schnell erfolgen muss – Vor allem VOR Baubeginn an der Eisenbahnbrücke. Allerdings zeigen die Zahlen sehr klar, dass nur wenige der Parkplätze von „echten“ Pendlern genutzt werden. Der Parkplatz dient also auch als Puffer für den Parkdruck im Wohnpark Biestow. Wenn die Flächen somit eh angefasst werden sollen, sollte auch eine breitere Lösung mit deutlich mehr Stellflächen auf gleicher Fläche zumindest diskutiert werden: Ein Parkhaus. Dieses muss dabei natürlich so gestaltet sein, dass es nicht zur optischen Belästigung der Anwohner wird. In der Antwort auf meine kleine Anfrage steht leider sehr deutlich drin, dass gegenwärtig weder Stadt noch Private über eine solche Option nachdenken.

Setzen wir einen kostenlosen Parkplatz voraus, sollten dennoch Vergünstigungen bei der ÖPNV-Nutzung für die Pendler angeboten werden. Denn so werden attraktivere Anreize zum Umstieg geschaffen, die uns mehr Wert als Einnahmenverluste der RSAG sein sollten. So denn ein Parkhaus in den Planungen nochmal auf den Tisch käme, müsste hier ähnliches gelten: Deutlich günstigere Parktickets, so dass hier Parken und ÖPNV-Nutzung günstiger als die Optionen der Innenstadt sind.

Also:
1. Schneller Ausbau mit möglichst vielen Parkplätzen
2. Kostenloses Parken für die Anwohner, um den Parkdruck auf Biestow gering zu halten.
3. Vergünstigungen der Pendler beim ÖPNV, um den Standort attraktiver zu machen.