Verkehr am Groten Pohl – Äußere Erschließung

Regelmäßig ist die Entwicklung des Groten Pohls Thema im Ortsbeirat Südstadt. Während wir 2021 unter anderem über die Ansiedlung von SIXT diskutierten, wurde auf der Januar-Sitzung die verkehrliche Erschließung des Gebietes vorgestellt. Das Protokoll ist nun veröffentlicht, so dass ich die Materialien der Vorstellungen nutzen kann. Das Thema werde ich in zwei Artikeln aufarbeiten, damit die jeweiligen Beiträge nicht viel zu lang werden. Den Anfang macht die äußere Erschließung – Also die Frage, wie der Verkehr zum und von dem Groten Pohl geleitet werden soll.

Den Auftrag zur Untersuchung hat die Stadt an das in Hannover ansässige Planungsunternehmen “SHP Ingenieure” vergeben. Ziel der Untersuchung sollte dabei sein, wie der Südring und die Erich-Schlesinger-Straße am Besten in die Erschließung eingebunden werden können, ohne dass ein Verkehrskollaps droht. Auch sollte untersucht werden, an welchen Stellen die Zuleitung des Verkehrs in den Groten Pohl erfolgen sollte.

Im Endeffekt identifizierten die Gutachter zwei Möglichkeiten zur Erschließung:

  1. Die ausschließliche Zuwegung über die Erich-Schlesinger-Straße. (Die Punkte 1 und 3 auf dem Bild), Kosten: Ca. 900.000€.
  2. Die zusätzliche Schaffung einer neuen Kreuzung kurz vor der Goethebrücke (Punkt 5 auf dem Bild) beim Südring, Kosten: Ca. 1,8 Mio.€.
Grafik entnommen aus der SHP-Präsentation in der Sitzung des OBR Südstadt am 06.01.2022

Der Grote Pohl ist verkehrsarm geplant. Das heißt, dass die PKWs der Wohn- und Gewerbeeinheiten am Rande des Gebietes aufgefangen werden sollen. Die Planer gehen hier von 5.424 KFZ-Fahren pro Tag aus. Davon 672 für die Kita und Schule, 2087 fürs Wohnen und der Rest fürs Gewerbe. Hinzu kommen etwa 1.600 Fahrten, wenn der Kesselborn entwickelt wurde und über 500 Fahrten durch den Neubau des Netto auf dem Parkplatz der Stadthalle.

Vor dem Hintergrund der deutlich zunehmenden PKW-Auslastungen haben die Planer sich dann die Standzeiten in Sekunden an den bestehenden und angedachten Ampeln angeschaut:

Grafik entnommen und vereinfacht aus der SHP-Präsentation in der Sitzung des OBR Südstadt am 06.01.2022

Man erkennt sehr deutlich, dass sich die Standzeiten beider Optionen fast gleichen. Gleichwohl muss ich bekennen, dass ich einige der Zeiten aus persönlichen Erfahrungen an den Ampeln nur bedingt nachvollziehen konnte – Es handelt sich halt um den Durchschnitt auf den ganzen Tag gerechnet.

Laut Planern liegt das Problem bei Option 2 nicht an den Standzeiten, sondern an der verkehrlichen Planung. Denn es handelt sich um eine reduzierte Zuleitungsoption in den Groten Pohl: Die Zufahrt in den heute sehr gut zu sehenden Hang wäre nur einseitig – von der Innenstadt kommend – möglich und die Ausfahrt nur in Richtung Klinikum bzw. Erich-Schlesinger-Straße. Eine vollends ausgebaute Kreuzung am Südring / Platz der Freundschaft mit Fahrten in alle Richtungen hätte laut Planern die Konsequenz, dass sich der Verkehr bis zum Südstadt-Center bzw. bis zur Deutschen Med rückstauen würde. Dies käme einem Verkehrskollaps gleich und wurde daher ausgeschlossen.

Die Konsequenz dieser einseitigen Leitung in den Groten Pohl wäre dann folgendes: Die aus der Innenstadt kommenden PKW würden morgens in das Parkhaus am Hang (Bild 1, Punkt 5) problemlos einfahren können. Um dann aber nach Feierabend zurück zu kommen, müssten diese dann erst in Richtung Klinikum aus dem Parkhaus herausfahren und dann an der Kreuzung zur Erich-Schlesinger-Straße wenden. Dies löst erhebliche Sicherheitsbedenken bei Verwaltung und Planern aus. Meine Rückfrage, ob eine verkehrliche Leitung in Richtung Hundertmännerbrücke eine Option wäre, wurde nicht beantwortet – Dies war nicht Teil der Prüfung.

Ergebnis: Die Stadtverwaltung und Planer werden die Option 1 umsetzen und den gesamten neuen Verkehr von und zum Groten Pohl über die Erich-Schlesinger-Straße organisieren. Schon jetzt fahren täglich etwa 9.000 Autos (Wert von 2019) durch diese Straße und mit der Erschließung des Groten Pohl nimmt die Verkehrsbelastung somit um knapp ein Drittel zu. Verkehrlich erschwerend wirkt sich dabei der Fakt aus, dass die Feuerwache in der Erich-Schlesinger-Straße ebenfalls erheblich ausgebaut wird, mehr Aufgaben übernimmt und somit deutlich öfter ausrücken wird – Ebenfalls nicht sehr förderlich für die Verkehrssituation.

Normalerweise bemühe ich mich, euch solche Artikel möglichst nüchtern darzustellen. Aber ich muss gestehen, dass mich die Entscheidung zur Leitung des gesamten Verkehrs über die Erich-Schlesinger-Straße nicht überzeugt. Selbst wenn man die notwendigen Kurzzeitsperrungen der Straße für das Ausrücken der Feuerwehr vernachlässigt, ist es schon etwas ambitioniert, über 5.000 Fahrten “einfach mal so” auf das 9.000er-Niveau draufzuschlagen. Es wird zwar immer über Carsharing, Alternativangebote und den ÖPNV philosophiert – Aber Fakt ist, dass die Planungen neuer Gebiete meist sehr dicht am schlussendlichen Verkehrsniveau liegen. Und wenn sich dies hier bewahrheitet, wird vor allem zur Stoßzeit der morgendlichen und nachmittaglichen Pendlerbewegungen der Verkehr erheblich zunehmen.


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