Die Entwicklung des Pulverturm-Gebietes

Ende März 2022 hat die Bürgerschaft den Weg frei gemacht, um das Gebiet am Pulverturm zu entwickeln. Lange Jahre war dieses 11 Hektar große, zwischen der Albert-Einstein-Str. und Max-Planck-Str. gelegene, Areal durch Kleingärten geprägt. Nun wird es in den Ausbau der Albert-Einstein-Straße für einen größeren Uni-Campus einbezogen. Aber auch die Bereitstellung von Wohnraum ist ein wichtiges Thema – Studentisch geprägt und aufbauend auf bereits bestehende Strukturen. Anzumerken sei hier, dass neben dem studentischen Wohnen auch reguläre Wohnbebauung stattfinden wird.

Wichtig zu wissen: Die Entwicklung des Gebietes um den Pulverturm zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus:

  1. Die Kleingartenanlage (KGA) „An´n schewen Barg“ ist nicht Teil der Planungen. Diese liegt zwischen dem Planungsgebiet und der Brahestraße.
  2. Das Gebiet wird de facto durch zwei Pläne entwickelt, da der Ausbau des Studentenwohnens an der Max-Planck-Straße aus dem Hauptplan herausgelöst wurde. Ziel sollte so sein, die Planungen zum Ausbau der vom Studentenwerk getragenen Gebäude zu beschleunigen. (Das 2. Gebiet in der Grafik)
  3. Die ursprüngliche Struktur der Grundstücksbesitzer war extrem zersplittert. Daher stellte die Vereinheitlichung des Gebietes für die Verwaltung eine sehr große Herausforderung dar, die sie sehr gut gelöst haben.

Teile dieser Besonderheiten haben sich im Laufe der Zeit entwickelt. So resultiert der Sonderstatus der „letzten“ Kleingartenanlage aus den ersten Verhandlungen zur Entwicklung des Pulverturms. Im ersten Anlauf wurden sämtliche Kleingärten in der Region durch die Verwaltung überplant – Doch hier intervenierte der Ortsbeirat Südstadt und setzte den Kompromiss durch, dass wenigstens diese eine Kleingartenanlage bestehen bleibt, wenn schon alle anderen Anlagen weichen müssen. Dies ist wichtig zum Verständnis des Sonderstatus.

Grafik entnommen aus der Beschlussvorlage 2022/BV/2907 und bearbeitet

Zum Verständnis der Grafik:

  • Die dunkel-orange markierten Felder sind als Sondergebiet für Flächen der Universität vorgesehen. Hier sollen auf fünf großen Baufeldern unter anderem Hörsäle, Labors und andere universitäre Liegenschaften gebaut werden.
  • Die deutlich helleren orangenen Felder sind als Wohnbebauung vorgesehen.
  • Grün markiert sind Grünflächen, auf denen unter anderem auch ein neuer Spielplatz vorgesehen ist.
  • Das lila Gebiet ist eine Fläche für Gemeinbedarf und gehört der Kirche. Der B-Plan erlaubt hier Gebäude für Tagungen und Konferenzen. Im Raum steht hier unter anderem der Bau einer neuen Kita.

Die Höhe der in dem B-Plan entwickelten Häuser soll sich übrigens am Stadtbild der Südstadt orientieren – Ganz anders aber der Ausbau des studentischen Wohnens in der Max-Planck-Str. Hier sind deutlich mehr Etagen vorgesehen, was zu erheblicher Kritik der Anwohnerinnen und Anwohner führte. Durch Aufstockungen und Umbauten sollten hier zusätzlich 300 neue Studierendenwohnungen zu den bereits 500 bestehenden Angeboten entstehen. Zur Ehrlichkeit gehört auch, die eigene Position nicht verheimlichen: Trotz der mit dem Ausbau des studentischen Wohnens verbundenen Auswirkungen auf das Umfeld (Parken, Lautstärke, etc.) habe ich für die Aufstockung gestimmt. Denn wir brauchen in Rostock deutlich mehr preiswerte Wohnungen für Studierende. Gleichwohl ist mir sehr daran gelegen, dass hier kein losgelöstes Dorf in der Südstadt entsteht und sich das studentische Wohnen in den Stadtteil einfügt.

Doch zurück zum Hauptplan: Schaut nochmal genau auf die Grafik. Denn werdet ihr einen hellgrün markierten Weg finden, der sich relativ weit unten quer durch die Planung zieht und exakt vor der letzten verbliebenen Kleingartenanlage endet. Jenes Detail sorgte Anfang 2022 für Diskussionen im Ortsbeirat und in der Bürgerschaft. Denn warum plant man eine Sackgasse für Fahrräder? Naheliegende Antwort: Weil Teile der Stadtverwaltung den oben beschriebenen Kompromiss zum Erhalt der letzten Kleingartenanlage indirekt zur Disposition stellen wollten – Was sie auch offen in den Fachausschüssen der Bürgerschaft zugaben: Sobald die Sackgasse geplant oder gebaut würde, käme die Diskussion nach der Abwicklung und verkehrlichen Erschließung des Kleingartens wie von selbst. Dieser Wette auf die Zukunft schob eine breite Mehrheit des Ortsbeirates Südstadt einen Riegel vor und schlug per Änderungsantrag in der Rostocker Bürgerschaft eine Streichung des Weges vor. Gegen die Stimmen der CDU und Grünen wurde dieser Ende März 2022 angenommen. Die verkehrliche Erschließung ist trotzdem ebenso problemlos möglich, wie die bauliche Entwicklung des Gebietes.

Der B-Plan (Kurz für Bebauungsplan) wurde Ende März 2022 durch die Rostocker Bürgerschaft in geänderter Fassung beschlossen und gilt nun als Grundlage für alles Weitere. Er steht noch nicht für einen sofortigen Baubeginn auf dem gesamten Pulverturm. Bis das Areal komplett bebaut ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen.


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