Fahrradstraße nach Sildemow (?)

Fast ein Jahr ist es her – Da beschloss die Rostocker Bürgerschaft nahezu einstimmig einen Antrag des Ortsbeirates Südstadt, in dem der Lückenschluss des Fuß- und Radwegenetzes aus der Schwaaner Landstraße nach Sildemow auf den Weg gebracht wurde. Die Stadtverwaltung sollte prüfen, welche Maßnahmen sinnig wären. Schließlich reicht die Diskussion um die Nutzung der Straße schon viele Jahre zurück: Immer mehr Verkehrsberuhigungen wurden vorgekommen, es wurde viel kontrolliert und überlegt, was denn nun die eigentliche Aufgabe der Schwaaner Landstraße sei.

Fakt ist: Obwohl die Nobelstraße als Haupteinfallsstraße in den Rostocker Süden erschlossen ist, nutzen noch immer Viele die Schwaaner als Schleichweg, um Stau und Ampeln zu umgehen. Auch Transporter und LKWs sind oft genug auf der Straße anzutreffen, so dass täglich bis zu 1.500 Autos zwischen dem Sildemower Weg und der Dorothea-Erxleben-Straße einfahren.

Fakt ist aber auch: Die Schwaaner Landstraße ist eigentlich eher für die Nutzung der direkten Anwohnerinnen und Anwohner gedacht und nicht (mehr) als Transitstraße des Pendlerverkehrs. Es ist daher wenig verwunderlich, dass von Selbigen immer wieder Sorgen und Hinweise bzgl. der Nutzung der Straße geäußert werden. Die Nutzung per Fahrrad, Inliner, Kinderwagen und co. nimmt dabei immer mehr zu. Es müsste also eine Verkehrsberuhigung her.

Auf dem Rostocker Gebiet wurden bereits viele Maßnahmen ergriffen: Aufpollerungen und Fahrbahnverengungen tun ihr Üblichstes. Daher liegt das Kernproblem im Landkreis – Die Straße vom Ortsausgangsschild bis zur Kreuzung nach Sildemow liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Papendorf. Mit dem Ergebnis, dass der Fuß- und Radweg direkt an den Stadtgrenzen endet. Wir sprechen hier über knapp 700 Meter Strecke “Niemandsland”, die zwei gut ausgebaute Fuß- und Radnetze trennen:

Skizze der fraglichen Strecke, Grafik entnommen aus GeoportRostock

Eigentlich hatte der Ortsbeirat Südstadt den Bau eines neuen Fuß- und Radweges parallel zur Auto-Straße vorgeschlagen. Dies hätte aber sehr lange gedauert: Denn neben der Koordinierung zwischen Rostock und Papendorf hätten auch noch Grundstücksfragen mit privaten Eignern geklärt und finanzielle Mittel bereitgestellt werden müssen. Wenn man sich andere Projekte im Rostocker Süden anschaut (Pulverturm, Groter Pohl, Brahestraße oder Ziolkowskistraße), so drängt sich hier automatisch die Sorge auf, dass bis zur Umsetzung solch eines Bauprojektes noch locker 10 Jahre hätten vergehen können.

Daher legt die Verwaltung für den oben zu sehenden Streckenabschnitt nun einen Alternativvorschlag vor: Die Umwidmung der Schwaaner Landstraße zur Fahrradstraße – Als Modellvorhaben zeitlich limitiert auf ein Jahr. Die verkehrlichen Auswirkungen wären laut Vorlage der Verwaltung wie folgt:

Fahrradstraßen sind für Kraftfahrzeuge gesperrt, sofern durch ein Zusatzschild nichts Anderes geregelt ist. Das Zusatzzeichen kann etwa für Personenwagen, Motorräder oder Anlieger gelten. In Fahrradstraßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Daran müssen sich alle Fahrzeuge halten, also Fahrräder ebenso wie gegebenenfalls Autos. Der Radverkehr hat auf Fahrradstraßen Vorrang. Das Nebeneinanderfahren ist zulässig. Allerdings gilt auch in Fahrradstraßen das Rechtsfahrgebot. Beim Überholen müssen Kraftfahrzeuge mindestens 1,5 Meter seitlichen Abstand zu den Radfahrern halten”.

Mit anderen Worten: Aus der “normalen” Straße wird ein XXL-Fahrradweg, den bei ausreichender Beschilderung die hiesigen Anwohnerinnen und Anwohner weiter nutzen könnten. Die Frage des “Anwohner frei” oder “Anlieger frei” ist noch nicht zu Ende diskutiert, da auch die knapp 700 Gartenparzellen am Stadtende nicht vergessen werden sollten. Übrigens: Neben dem Aufstellen neuer Verkehrsschilder würde an der Kreuzung zum Sildemower Weg eine neue Temposchwelle installiert werden.

Ihr merkt also, dass die Umwidmung des Streckenabschnittes eine signifikante Veränderung der Straßennutzung zur Folge hätte. Und ich gebe offen zu: Bei der ersten Lektüre des Vorschlages war ich hoch skeptisch. Die Gedankengänge nachfolgend kurz in einigen Punkten skizziert:

1. 1.500 PKW-Nutzungen pro Tag können nicht über Nacht wegdeklariert werden, ohne dass es Auswirkungen auf die umliegenden Straßen hat. Allerdings sind von dieser Zahl die Pendlerströme abzuziehen, die eigentlich nicht mehr auf der Straße fahren sollten und regionale Anlieger (Anwohnerinnen und Anwohner, Besitzer der Kleingärten u.ä.) müssen die Straße auch weiterhin nutzen können.

2. Es ist in der Tat so, dass dieses “Niemandsland” zwischen den beiden Fuß- und Radnetzen verkehrlich wenig Sinn macht und eine grundsätzliche Lösung gefunden werden muss. Der einjährige Modellversuch kann hier als Testballon gesehen werden, ob eine tatsächliche Umwidmung der Straße Sinn macht.

3. Dies ist im Endeffekt mein Hauptargument für den Modelversuch: Wie ihr wisst, wird es aufgrund der Eisenbahnbrückensanierung am Goetheplatz bald zu erheblichen Einschränkungen im PKW-Verkehr kommen. Die Schwaaner Landstraße wurde in verkehrliche Planung der Umleitungen nicht mit einbezogen: Während also andere Straße umgeleitet und verengt werden, bleibt diese wie gehabt. Als Ergebnis droht daher ein erheblicher Ausweichverkehr aus der Nobelstraße, da so beispielsweise die morgendlichen Pendler über die Schwaaner Landstraße in die Erich-Schlesinger-Straße und dann zur Hundertmännerbrücke fahren und einen großen Teil der Staus und Verkehrsbehinderungen umfahren könnten. Sowas spricht sich schnell rum.

Heißt also: Wenn der Zugang zum Wohnen und Gärten an der Schwaaner Landstraße auch weiterhin durch eine zusätzliche Beschilderung gewährleistet wird UND die Fahrradstraße auch durch polizeiliche Kontrollen durchgesetzt wird, hat die Idee der zeitlich limitierten Umwidmung durchaus Potential – Vor allem, wenn sie parallel zur Brückensanierung erfolgt.

Mir ist an dieser Stelle sehr an eurer Meinung gelegen: Wir werden am 05.05.2022 im Ortsbeirat Südstadt das Thema diskutieren und ich würde sehr gern eure Meinungen und Anregungen mitnehmen. Daher diskutiert gerne mit!


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